27 März 2006

Deutsche Sagen



Der Tannhäuser
König Watzmann
er edle Tannhäuser, ein deutscher Ritter, hatte viele Länder durchfahren und war auch in Frau Venus' Berg zu den schönen Frauen geraten, das große Wunder zu schauen. Und als er eine Weile darin gehaust hatte, fröhlich und guter Dinge, trieb ihn endlich sein Gewissen, wieder herauszugehen in die Welt, und begehrte Urlaub. Frau Venus aber bot alles auf, um ihn wanken zu machen: sie wolle ihm eine ihrer Gespielen geben zum ehelichen Weibe, und er möge gedenken an ihren roten Mund, der lache zu allen Stunden. Tannhäuser antwortete: kein ander Weib gehre er, als die er sich in den Sinn genommen, wolle nicht ewig in der Hölle brennen, und gleichgültig sei ihm ihr roter Mund, könne nicht länger bleiben, denn sein Leben wäre krank geworden. Und da wollte ihn die Teufelin in ihr Kämmerlein locken, der Minne zu pflegen, allein der edle Ritter schalt sie laut und rief die himmlische Jungfrau an, daß sie ihn scheiden lassen mußte. Reuevoll zog er die Straße nach Rom zu Papst Urban, dem wollte er alle seine Sünden beichten, damit ihm Buße aufgelegt würde und seine Seele gerettet wäre. Wie er aber beichtete, daß er auch ein ganzes Jahr bei Frauen Venus im Berg gewesen, da sprach der Papst: »Wann der dürre Stecken grünen wird, den ich in der Hand halte, sollen dir deine Sünden verziehen sein, und nicht anders.« Der Tannhäuser sagte: »Und hätte ich nur noch ein Jahr leben sollen auf Erden, so wollte ich solche Reue und Buße getan haben, daß sich Gott erbarmt hätte;« und vor Jammer und Leid, daß ihn der Papst verdammte, zog er wieder fort aus der Stadt und von neuem in den teuflischen Berg, ewig und immerdar drinnen zu wohnen. Frau Venus aber hieß ihn willkommen, wie man einen lang abwesenden Buhlen empfängt; danach wohl auf den dritten Tag hub der Stecken an zu grünen, und der Papst sandte Botschaft in alle Land, sich zu erkundigen, wohin der edle Tannhäuser gekommen wäre. Es war aber nun zu spät, er saß im Berg und hatte sich sein Lieb erkoren, daselbst muß er nun sitzen bis zum Jüngsten Tag, wo ihn Gott vielleicht anderswohin weisen wird. Und kein Priester soll einem sündigen Menschen Mißtrost geben, sondern verzeihen, wenn er sich anbietet zu Buß und Reue.
König Watzmann
König Watzmann im Berchtesgadener Lande liebte weder Mensch noch Tier. Die Menschen zu quälen, die Tiere zu martern, war seinem grausamen Herzen süße Lust. Deshalb frönte er auch am liebsten der Jagd, da ging's ja am wildesten her. So wie er dachten auch sein Weib und seine Kinder. Wenn die schweißtriefendenRosse unter ihnen zusammenstürzten, oder das halb totgehetzte Wild von den Hunden zerfleischt wurde, fanden sie die höchste Befriedigung.
So ging es Tag für Tag, jahraus, jahrein, sonder Rast und Ruhe, bis endlich Gottes strafende Hand die Frevler erreichte.
"Hallo! Hinaus zur wilden Jagd!", so erscholl der Ruf wieder, wie so oft schon, durch den Schloßhof, und unter dem Schalle der Hörner, dem Geheule und Gekläffe der Rüden ging es mit Weib und Kindern durch dick und dünn, über Wiesen und Felder dahin. Da sieht des Königs Auge ein altes Mütterlein mit dem Enkelkinde am Arme nächst einer kleinen Hütte ruhen. Ein teuflischer Gedanke durchzuckt sein Gehirn; er gibt seinem Rosse die Sporen und sprengt, ihm nach der ganze Troß, auf das alte Mütterlein los, das bald samt seinem Enkelkinde unter seines Pferdes Hufen den gräßlichsten Tod findet. Aus der Hütte stürzen trostlos der Bauer und sein Weib, um die sterbende Mutter mit dem toten Kinde im Hause zu betten, da hetzt der König die wutschnaubenden Hunde auf sie, daß sie unter den Zähnen der Bestien ihren Geist aufgeben. Lachenden Angesichts schaut Watzmann dem fürchterlichen Morden zu, und mit ihm freuen sich Weib und Kinder ob der grausen Untat. Da hebt das greise Mütterlein noch einmal ihre zerfleischte Rechte gegen Himmel empor und schickt einen entsetzlichen Fluch auf dem Allgerechten, daß dieser sie und die Ihren räche. Und Gott hörte den Fluch. Die Erde erbebte, der Sturmwind fuhr brausend über die Fluren, Feuer sprühte allerorten aus dem Boden, als wäre der Welt Ende angebrochen. König Watzmann und die Seinen erbeben zum ersten Male in ihrem ganzen Leben. Allmählich fühlen sie Erstarren der Glieder, bis sie endlich ganz zu Stein geworden sind.
Seitdem stehen König Watzmann, sein Weib und die Kinder, in riesige Felsen umgewandelt, als ewige Wahrzeichen einer schaudervollen Vergangenheit, allen herzlosen und grausamen Menschen zum warnenden Beispiele dienend.

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