18 Februar 2012

Redefreiheit

Was zu tun ist:

"Was keiner wagt,
das sollt ihr wagen,
Was keiner sagt, das sagt heraus,
Was keiner denkt, sollt ihr befragen,
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr's sagen,
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein,
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben,
Wenn alle mittun, steht allein!

Wo alle loben, habt Bedenken,
Wo alle spotten, spottet nicht,
Wo alle geizen, wagt zu schenken,
Wo alles dunkel ist, macht Licht!"


Walter Flex
(6.7.1887 - 16.10.1917)




1. Redefreiheit ist eine beleidigende Freiheit.
2. Wahrheit schmerzt, besonders wenn man sie der Lüge gegenüber stellt.
3. Der Grund, warum Menschen zum Schweigen gebracht werden ist nicht, weil sie lügen, sondern weil sie die Wahrheit reden. Wenn Menschen lügen, können ihre eigenen Worte gegen sie angewendet werden, doch wenn sie die Wahrheit sagen, gibt es kein logisches Argument, sondern als Gegenmittel nur die Gewalt.
4. Ein guter Journalist soll erkenntnisreich und aufrührerisch sein.
5. Man weiss, wenn man die Wahrheit gesprochen hat, wenn man wütend denunziert und von der Polizei besucht wird.
6. Wahrheiten werden erst dann interessant, wenn sie Kontroversen erwecken und Dinge sind erst dann interessant wenn sie verflucht, verteufelt und zur Hölle gewünscht werden.
7. Rede- und Meinungsfreiheit ist eine Verzweiflungstat. Es ist der letzte Ausweg, ein Angriff stiller Wut, und - in den meisten Fällen - eine Beleidigung und Abkehr von den gesellschaftlichen Normen. Menschen, die morden, haben gewöhnlich nur für einen Moment ihre Hemmungen verloren. Aber Menschen die frei heraussprechen und ihre Meinung publizieren haben sie für immer verloren und sind daher so gefährlich für das System wie ein tollwütiger Hund.
8. Um vom System ernst genommen zu werden, muss man direkt und beleidigend werden. Wenn man das nicht tut, dann sagen die Leute "Ach, der spinnt ja" - und man wird in der Regel vollkommen ignoriert. Doch wenn man den Nerv trifft und heftige Reaktionen eintreffen , dann weiss man, dass man auf dem richtigen Weg zum Gehirn ist. Der Punkt ist: Menschen bekommen selten neue Gedanken und Ideen ohne einen geistigen Schub von aussen. Man muss daher mit Bravour und der Gewalt des Geistes in das Bewusstsein der Menschen eindringen.
9. Wahrheit hat auch keine Manieren und Moral. Sie respektiert niemanden. Sie verletzt und beleidigt den Adel genauso so hart wie das Bürgerliche. Sie bringt das Hohe herunter und bestätigt das Wertlose der Niedrigen. Sie macht sich vielleicht für formelle Gelegenheiten fein, aber nur um sich dann selbst entblössend vor der gesamten Gesellschaft zu offenbaren. Und so wie die Wahrheit niemanden respektiert, gibt es wenige, welche die Wahrheit respektieren. Aber denen, welche die Wahrheit reden, gibt sie Verständnis, Möglichkeiten, viel Ehre und Macht und natürlich auch die Ehre des unerschütterlichen Hasses der ignoranten Massen.
10. Mit der Wahrheit züchtest Du auch die Dummen und Bösen als Feinde heran und die sind dann meist auch jene, die sowieso Deine Feinde wären.
11. Da, wo die Wahrheit unterdrückt wird, muss Widerstand (Notwehr) zur Pflicht werden. Im Normalfall jedenfalls, denn der im Sold stehenden Justiz ist es gelungen, bei politischen Prozessen auch Recht, Gesetz, Verfassung und Menschenrechte ausser Kraft zu setzen bzw. auszuhebeln.

Theodor Fontane 1819-1898

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