03 Juli 2006

Die USA und die Höllenhunde des Krieges


Das Warum spielt keine Rolle: Überfälle des Imperiums in aller Welt und die Rolle der Medien
Es kann für eine Nation der Zeitpunkt kommen, an dem eine bestimmte Schwelle überschritten wird, und ist dies erst getan, führt kein Weg mehr zurück. Am Beginn der westlichen Gesellschaften stand das Alte Rom, und es war Julius Cäsar, der als erster »den Rubikon überschritt«. Cäsar löste mit der Überquerung des Flusses im Jahre 49 v. u. Z. einen Bürgerkrieg in Rom aus, der ihn an die Macht brachte. Auch im heutigen Neuen Rom von George W. Bushs Gnaden wurde der Rubikon überschritten und der Weg in den endlosen Krieg eingeschlagen. Das geschah wie in einem imperialen Fieberrausch, gleichsam aus einer tödlichen Laune der Könige heraus, denn Krieg ist bekanntlich der Sport der Könige.Das Warum spielt dabei keine Rolle. Die »Gründe« für den Krieg gegen Irak, die der Öffentlichkeit präsentiert wurden, sind verblaßt wie Fotografien unter der Sommersonne. Heute weiß alle Welt, daß die vorgebrachten Gründe nicht der wirkliche Anlaß für den Krieg waren. Damals versetzte die US-Regierung die Bevölkerung in einen Zustand zwischen Angstgefühl und Gleichgültigkeit und ließ ihre Höllenhunde des Krieges von der Leine. Städte wurden bombardiert, Zivilisten abgeschlachtet, ein »Regimewechsel« vorgenommen. Am Ende ist alles schlimmer als je zuvor – vor allem herrscht heute in der Region ein nie gekannter Haß. Eine Marionettenregierung wurde installiert und ihr von Washington eine Verfassung diktiert. Aber wer glaubt, dies alles wären die Vorzeichen des Friedens, soll nur nach Afghanistan schauen, wo sich der von den USA eingesetzte »Präsident« des Landes, Hamid Karsai, von einer Palastwache aus schwerbewaffneten US-Söldnern beschützen läßt, so sehr fürchtet er die eigenen Landsleute.Wenn es auch zutreffend ist, daß dieser irrsinnige Krieg von einer kleinen Kabale neokonservativer Strategen vom Zaun gebrochen wurde, so darf doch nicht unerwähnt bleiben, daß dies ohne die Begünstigung und Unterwürfigkeit der dominierenden Medien nicht möglich gewesen wäre. Sie führten sich auf wie Cheerleaders und Balljungen bei einem großen Sportereignis und versagten völlig bei ihrer Aufgabe, kritische Mahner zu sein und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Nur wenige haben den Krieg so deutlich verurteilt wie der unerschrockene Journalist Robert Fisk, der für The Independent (London) schreibt. In seinem 2005 in New York veröffentlichten Buch »The Great War for Civilization: The Conquest of the Middle East« heißt es: »Und die ganze Zeit über setzten die amerikanischen Medien ihre sklavische Unterstützung für die Bush-Administration fort. Nehmen wir zum Beispiel Eric Schmitt von der New York Times. Von ihm stammt ein Artikel über Amerikas Entscheidung, ›gegen Staaten vorzugehen, die den Terrorismus unterstützen‹. Auf welche Quellen stützte er sich dabei? Auf ›hohe Beamte des Verteidigungsministerium‹, auf ›Regierungsbeamte‹, ›amerikanische Geheimdienstler‹, ›Offizielle‹, ›Militärsprecher‹, ›Terrorismusexperten‹ und auf ›Verteidigungsexperten‹. Warum, so frage ich, schreibt nicht gleich das Pentagon die Artikel der New York Times?«Man spürt beim Lesen von Fisks Buch, daß er es mit einer ungeheuren Wut geschrieben hat – Wut auf Despoten und Tyrannen, auf ungehemmte Machtausübung und auf die weitverbreitete Gleichgültigkeit. Er schreibt davon, daß der Krieg wie ein gieriger Parasit den Staatshaushalt verschlingt, die Verfassung zersetzt und alles Soziale vernichtet. Millionen Menschen werden militarisiert, und es wird an ihren blinden Gehorsam appelliert. Unter denen, die erkennen, daß sie nur durch Lügen in den Krieg hineingezogen wurden, greift Zynismus um sich, und überall im Land geht die Saat des Mißtrauens auf. Auf der anderen Seite aber öffnet uns der Krieg auch die Augen, und dieses Erwachen kann der Ausgangspunkt für eine neue gesellschaftliche Bewegung sein, die nein sagt zum Krieg und ja zur Vernunft und zum Leben.Übersetzung: Jürgen Heiser
Quelle: http://www.jungewelt.de/2006/05-06/046.php

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