19 April 2009

Demokratie in Deutschland - Gefälscht von der CIA


Manchmal schlummern in alten Kamellen des WDR richtige Schätze. Im Film “Germany - Made in USA: Wie US-Agenten Nachkriegsdeutschland steuerten” ist der zur Wisner Gang gehörende CIA Offizier Tom Braden etwas ins Plaudern geraten. Kostprobe gefällig? Über den US-Agenten Willy Brandt im Speziellen und dann auch über die deutsche Politik im Allgemeinen sagt Agentenführer Tom Braden da vor laufender Kamera zum Beispiel:

“Ich weiß, dass Willy Brandt Geld von der CIA erhalten hat. Und überhaupt war es so. Benötigte irgendein deutscher Politiker mit demokratischen Absichten Hilfe und Unterstützung gegen die Kommunisten, hätte ihm die CIA geholfen.”

Bemerkenswert ist zum Vorwurf, Willy Brandt habe Geld von der CIA bekommen, auch ein Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1977 mit Titel “Lügenhafte Kampagne“. Darin warnte der Spiegel Unionspolitiker, zu versuchen, das Thema Finanzierung deutscher Politiker durch die CIA politisch ausschlachten zu wollen, mit den Worten:

Doch nichts spricht dafür, daß Brandt, wie immer er zur CIA stand, jemals zu den Geldempfängern des Mr. Braden gehört hat. Auch die ehristsozialen Brandt-Gegner, die Marchettis Story vor den Bundestag bringen wollen, werden bald merken, daß der Stoff für eine Anti-Brandt-Attacke ungeeignet ist.

Nicht einmal Victor Marchetti lädt zu solcher Polemik ein. “Die CIA”, warnte er unlängst, “hat das damals für viele Politiker in Westdeutschland getan, für Sozialdemokraten und Christliche Demokraten. Es war eben Kalter Krieg.”

Wo Willy Brandt mit dem Radikalenerlaß der nicht CIA-treuen Linken das Genick gebrochen hatte, durfte er soviel Dankbarkeit sicher auch erwarten. Inzwischen ist bekannt, dass Agentenführer Tom Braden auch in die Leitung der Operation Mockingbird, mit der die CIA im In- und Ausland Medien in großem Stil mittels Korruption von Journalisten gesteuert hat, eingebunden war.

Man könnte da folgendes Modell einer funkionierenden Demokratie entwickeln: Die CIA finanziert einfach alle Politiker, die ihr irgendwie in den Kram passen und sorgt über die Medien und die Höhe der Schmiergelder dafür, dass die ihr besonders genehmen Politiker in dem Theaterstück “Demokratie” Gewinner werden. Prima Demokratie. Zu diesem Demokratie-Modell passt bestens, dass US-Geheimdienste gleichzeitig im Rahmen von Gladio Mitglieder im neofaschistischen Bund deutscher Jugend finanziert und mit Waffen versorgt haben, die für den Fall nichtgenehmer linker Kräfte an der Macht 40 hochrangige SPD-Politiker ermorden durften. In einer richtigen Demokratie darf schließlich nichts dem Zufall überlassen bleiben.

Ganz wichtig ist es für eine funktionierende Demokratie auch, dass es Gewerkschaften gibt, deren Führer von der CIA geschmiert und kontrolliert werden. In den USA arbeiteten Jay Lovestone und Irving Brown, zwei hochrangige Gewerkschaftsbosse der AFL-CIO, für Tom Braden und die CIA. Die durften dann in Deutschland großzügig Schmiergelder von der CIA verteilen, damit im Deutschen Gewerkschaftsbund und in der SPD die richtigen Leute an die Macht kamen. Glückwunsche gehen auch an die ehrenhaften SPD-Größen Fritz Heine und Carlo Schmid für die freundschaftlichen Beziehungen zum CIA-Schmiergeldverteiler Irving Brown. Prima Demokratie.

Natürlich heiligt der Zweck die Mittel. Viele Deutsche waren zwar von Teilung, westgebundener Re-Militarisierung und Atomwaffenstationierung nicht wirklich begeistert, aber Konrad Adenauer und sein Schwager John McCloy hatten nun mal diesen Auftrag. Da musste die CIA natürlich helfen. Wer als Politiker den Schumann-Plan unterstützte, bekam Geld von der CIA. Dass diejenigen Politiker, die widerspenstig waren, und ein neutrales, demokratisches, entmilitarisiertes und geeintes Deutschland wollten, aus dem Politzirkus rausflogen, darum kümmerte sich dann die CIA mithilfe der Mediensteuerung. Wie gut die geheimdienstliche Gehirnwäsche funktionierte, durften Meinungsforscher wie Allensbach und Leo P. Crespi messen. In einer richtigen Demokratie darf man den Wählerwillen aber nicht überinterpretieren. Wo der Wähler nicht will, wie die CIA will, da bedarf es eben noch eines Ganges Gehirnwäsche mehr.

Überhaupt, eigentlich war die CIA schon immer richtig demokratisch. Die Deutschen wollten Wirtschaftswunder und sie haben es bekommen. War ja genug Nazi-Vermögen nach Südamerika verschoben worden, was man wieder zurückholen konnte. Dafür, dass linke Intellektuelle dabei kein schlechtes Gewissen haben mussten, sorgten Intellektuelle wie Melvin Lasky im Auftrag der CIA sicher gern. Kapitalismus bedeutet Wohlstand, lautete denn auch die wichtigste Botschaft des linken Antikommunisten. Ein Toast auf Amerika.

Zum Glück sind diese alten Zeiten vorbei, Deutschland ist nun frei, die CIA-Klitsche Bertelsmann wurde genau wie der Rest der CIA-gesteuerten Milliardärspresse im dringenden Interesse der Bevölkerung enteignet, die CIA entmachtet, die Verbrecherbanden der CIA haben in Deutschland natürlich Einreiseverbot, die Kirche predigt Nächstenliebe und freie und unabhängige Richter sorgen für Meiungsfreiheit. Ha ha ha.

Was bleibt ist nichts als Illusion. Wie wäre es, in Deutschland mal etwas aufzubauen, das den Namen Demokratie wirklich verdient?
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