07 April 2007

Rückgang der Arbeitslosigkeit nur auf dem Papier


Derzeit überschlägt sich die veröffentlichte Meinung mit den angeblich so positiven Zahlen vom Arbeitsmarkt. Von einer Trendwende ist da die Rede und vom angeblich stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit seit 1949. Doch betrachtet man die Zahlen, mit denen die etablierten Übeltäter um sich schmeißen, wird einmal mehr deutlich, wie groß der Unterschied zwischen Schein und Sein ist. Medienberichten vom 28. März 2007 zufolge zählte die „Bundesagentur für Arbeit“ (BA) im Februar 4,222 Millionen Erwerbslose, was auf den ersten Blick im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Abnahme um 826.000 darstellt. Im Vergleich zum Januar 2007 war die Abnahme um 24.000 jedoch eher gering. Insgesamt sank die Arbeitslosenquote von 10,2 auf 10,1 Prozent, blieb also praktisch stabil. Zudem soll es bundesweit im Februar 624.000 offene Stellen gegeben haben.Doch wie sehr nun von den herrschenden Blockparteien auch von Trendwende und einem Aufschwung gefaselt wird, diese Zahlen lügen, und entsprechend sind die Schlußfolgerungen daraus schlichtweg falsch.Grund für die vordergründig sinkende Arbeitslosenzahl ist neben der milden Witterung vor allem, daß der Arbeitsmarkt durch ein rückläufiges Arbeitskräfteangebot durch den Bevölkerungsschwund entlastet wird. Und daraus folgt, daß die offizielle Arbeitslosigkeit stärker ab- als die Beschäftigung insgesamt zunimmt.Wie sieht denn nun die wunderbare Leistung der Großen Koalition aus, die allerorten herbeigeredet wird?Der Blick wird dabei auf neu aufgenommene Arbeitsverhältnisse gelenkt, nicht aber darauf, wohin die Arbeitslosen verschwunden sind. Entsprechend frisiert erweist sich die Statistik. Hier zählt nur die nackte Zahl, nicht aber wie sie zustande gekommen ist.Wer sich nun mit den Publikationen der Bundesagentur für Arbeit etwas intensiver befaßt, kann abseits der in den Medien breitgetretenen Propagandazahlen durchaus Erstaunliches feststellen, wenn man das Wesentliche in Relation setzt: Im Januar 2006 betrug die Zahl der Leistungsempfänger 8.769.000, im Februar 2007 gab es 8.467.000 Leistungsempfänger. Zu dieser Personengruppe zählen die Bezieher von „Arbeitslosengeld I“ und „Arbeitslosengeld II“ (im Februar 2007 waren es 6.554.000) und Sozialgeld-Empfänger (1.913.000).Das heißt, diese entscheidende Zahl nahm im Jahresvergleich lediglich um gut 300.000 Personen ab. Und das relativiert die Jubelmeldungen von angeblich 826.000 weniger Arbeitslosen doch sehr, denn selbst die Reduzierung der Leistungsberechtigten ist im Wesentlichen auf Faktoren zurückzuführen, die rein gar nichts mit einem Aufschwung zu tun haben.So fallen z.B. schon einmal die unter 25-Jährigen aus der Statistik heraus, die in einer Bedarfsgemeinschaft mit ihren Eltern leben. Weiter ist eine größere Anzahl von Personen anzunehmen, die nach einjähriger Bezugsdauer von „Arbeitslosengeld I“ keine Bedürftigkeit für das „Arbeitslosengeld II“ nachweisen kann und damit ebenfalls aus der Statistik herausfällt. Bedeutsam sind auch die Folgen des Bevölkerungszusammenbruchs. Schon jetzt gibt es dadurch nach Schätzungen Jahr für Jahr um 200.000 Arbeitssuchende weniger.Zudem stellen sich hier viele weitere Fragen: Wie viele Arbeitslose wurden in die Rente entlassen, wie viele Menschen wurden durch die Aufnahme eines sogenannten Ein-Euro-Jobs aus der Statistik gestrichen, wie viele Arbeitslose gelten für die Statistik nicht mehr als arbeitslos, weil sie in Alibi-Maßnahmen und -Seminare abgeschoben wurden usw.?Angesichts dieser Tatsache bleibt von dem ganzen Aufschwung-Gerede nichts weiter übrig als ein medialer Furz. Wer sich dennoch das Denken nicht schon abgewöhnt hat, weiß wozu dieser gut ist. So tönte denn auch CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, daß angesichts des Aufschwungs jetzt die Zeit sei, den Arbeitsmarkt durch einen flexibleren Kündigungsschutz von Überregulierung zu befreien.Und weiter sagte Pofalla wohl im Hinblick auf die angestrebte Unternehmenssteuerreform zu Gunsten der asozialen Konzerne, müßten die Unternehmer weiter entlastet werden, um Investitionen und damit Arbeitsplätze in Deutschland zu ermöglichen.Glaubt man der Bundesagentur für Arbeit, so gibt es schon jetzt 624.000 offene Stellen, die nicht besetzt werden können. Abgesehen einmal davon, daß jeder, der schon einmal über das Arbeitslosenamt eine Stelle suchte, um die Güte und Aktualität des dortigen Angebots weiß, erfüllt auch diese Propagandazahl einen Zweck.Denn es mehren sich nun aus der Wirtschaft die Stimmen derer, die wieder einer verstärkten Einwanderung von Ausländern das Wort reden, um die vermeintlich offenen Stellen zu besetzen.Nach der vollständigen Deregulierung des Arbeitsmarktes soll also das Lohndumping durch ausländische Billiglohnarbeiter noch weiter gesteigert werden. Das wird zweifellos die Zahl der Leistungsempfänger weiter stark erhöhen, doch scheint das die Liberalkapitalisten nicht zu stören, solange die Lügen-Propaganda der veröffentlichten Meinung noch Wirkung zeigt.http://www.widerstand.info/meldungen/1050.html

Ansorde:Die Märchenstunde geht weiter !

1 Kommentare:

bitter_twisted hat gesagt…

Wir könnten schon drüber streiten was eigentlich ein Arbeitsloser ist, dann die noch schwierigere Frage wieviel wir eigentlich haben. Es braucht nicht zwingend jeder einen Job. Viele die eventuell arbeiten würden, (ZB: Mütter die beim ersten Kind den Job aufgegeben haben, dessen Kinder nun aber alt genug sind.) die sich nicht in die Jobsuche stürzen weil bekanntlich Arbeit schwer zu finden ist.

Arbeitslosen Zahlen konnten aber bis vor Rot/Grün Jahr für Jahr verglichen werden weil sie auf gleicher Basis berechnet wurden.Das System war imperfekt, aber vergleichbar, so das man eine Tendenz feststellen konnte.

Seitdem man anfing die Zahlen zu manipulieren, ist die ganze Übung bedeutungslos geworden.Du kannst nicht die Arbeitslosen zahlen von diesen Jahr mit vorigen Jahren vergleichen, weil alle Zahlen manipuliert sind.

Es gibt aber schätzungsweise 9,2 Millionen Deutsche, die momentan nicht arbeiten, aber an einen Arbeitsangebot interessiert wären.

 

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