07 Juli 2010

Die Stunde der Fanatiker

Da schwärmen sie aus und gehen in ganz Bayern auf Menschenfang, die Krieger* gegen den Tabak. Eine bedeutungslose Partei namens ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei) rührte die Trommel, und die Grünen und die SPD waren sich nicht zu schade, sich als Vasallen anzudienen. Der Groll darüber, dass die Raucher noch immer nicht vollständig aus der Gastronomie verbannt sind, eint eben die unterschiedlichsten Geister, wie wir noch sehen werden.
Das Ganze nennt sich "Volksbegehren für Nichtraucherschutz"* und will bayernweit rund 950.000 Unterschriften zusammenbringen.
Doch wissen die Leute auf der Straße überhaupt, worauf und mit wem sie sich mit ihrem guten Namen einlassen?

Für knapp eine Million Unterschriften reichen die wahren Gesinnungsgenossen der Initiatoren beiweitem nicht aus. Es werden also massenhaft Unterzeichner gebraucht, die die Sache nicht so genau nehmen. Und die darf man nicht verschrecken.

Wundern Sie sich also nicht, wenn nicht einmal das Wort "Rauchverbot" fällt, während Sie von einem dieser "Rathauslotsen" zum Unterschriftentisch geleitet werden. Die sind instruiert*, dieses Wort tunlichst zu vermeiden und nur von "Nichtraucherschutz" zu sprechen.

Ehe wir die Sache weiter betrachten, sei darauf hingewiesen, dass das Netzwerk Rauchen als Herausgeber dieses Blättchens, das Sie in Händen halten, unabhängig von der Tabakindustrie ist und von dieser keinen Cent Spenden annimmt. Das ist insofern erwähnenswert, als die Rauchverbietler alles, was ihren Absichten zuwiderläuft, konsequent als "von der Tabakmafia gekauft" abzustempeln pflegen. Ein Totschlagargument, das jeden Widerspruch im Keim ersticken soll.

Stand der Dinge
Das revidierte sog. "Gesundheitsschutzgesetz" Bayerns* wurde im Juli 2009 mit 100 zu 73 Stimmen angenommen. Die Raucherclubs, als die sich diverse Kneipen und Wirtshäuser das Überleben gesichert hatten, wurden dabei verboten. "Getränkegeprägte" Kleinkneipen (unter 75 qm) aber dürfen nun entscheiden, ob sie sich als Nichtraucher- oder Raucherlokal deklarieren wollen. Als Letztere müssen sie am Eingang gekennzeichnet sein und dürfen Minderjährigen (also Personen unter 18) keinen Zutritt gewähren, auch nicht in Begleitung der Eltern. Größeren Lokalen ist die Einrichtung eines abgetrennten Raucherraums erlaubt. Auch hier ist der Zutritt von Minderjährigen verboten. In Bier- und Weinzelten wird das Rauchen geduldet.

Solche Zustände sind nun freilich ein Unding für den strammen Raucherfeind. Niemand zwingt ihn, eine Raucherkneipe zu betreten. Doch auch wenn er selbst da nicht rein will, soll dort auch der brave Handwerker die Zigarette zum Feierabendbierchen nicht genießen dürfen. Dieser gefährdet zwar keinen, der sich nicht freiwillig diesem fürchterlichen Inferno aussetzt, das vor wenigen Jahren noch das Normalste der Welt war. Aber darum geht’s auch gar nicht. Das Gerassel um die Gesundheit ist reine Augenwischerei. In Wirklichkeit geht es um Macht. Und wenn der Fundamentalist sich in den Kopf gesetzt hat, dass der Raucher sich nirgendwo mehr wohlfühlen, sich überall nur verjagt fühlen soll, dann gibt er keine Ruhe, bis dieses Ziel erreicht ist. Auch Rauchverbote im eigenen Auto und in der eigenen Wohnung werden von den Fanatikern längst gefordert.
Besonders auffällig ist dabei ihr Ruf nach harten Strafen bei Zuwiderhandlung. Die Lust am Bestrafen zieht sich wie ein roter Faden durch die Forderungen. Dass sie auch Formulare zur Denunziation* anbieten, ist wohl weitgehend bekannt.

Vom Glauben der Missionare
Um den Tabak zu verteufeln, musste festgestellt werden, dass er auch (oder erst recht!) andere krank macht und dahinrafft, nicht nur diejenigen, die ihn konsumieren. Schon der extreme Ex- und Antiraucher Hitler hatte solche Erkenntnisse in Auftrag gegeben. Allerdings war das Tausendjährige Reich dann von zu kurzer Dauer für das Ausschlachten der bestellten Ergebnisse. Immerhin: Der Begriff "Passivrauch" ließ sich aus jener Zeit herüberretten.*

Später wurden - diesmal in Amerika - erneut "Studien" angefertigt, die nachweisen sollten, dass die einen sterben wie die Fliegen, weil die anderen rauchen. Das geht so: Hinterbliebene von an bestimmten Krankheiten gestorbenen Nichtrauchern werden gefragt, ob sich der Verstorbene zeitweilig an Orten aufgehalten habe, an denen geraucht wurde. Wenn ja, wird er zu den Passivrauchopfern gezählt. So einfach. Nicht eben seriöser wird die Sache dadurch, dass zwei Drittel dieser armen "Opfer" über 75, davon die Hälfte über 85 Jahre alt geworden war.*
Sie lachen? Sollten Sie nicht. Denn genau solche "Studien" werden allen Ernstes verbreitet. Und die Medien stürzen sich darauf wie eine Meute hungriger Hyänen. Dazu muss man allerdings wissen, dass der Meute auch der Brotkorb höher gehängt wurde. Durch das Tabakwerbeverbot* blieben stattliche Werbeeinnahmen aus. Ersatz kam dann von der Pharmaindustrie in Form von Werbegeldern für Raucherentwöhnungsmittelchen - ein Milliardenmarkt. Und wie das nun mal so läuft, "wes Brot ich ess, des Lied ich sing": Die Presse pendelte sich ein auf den Anti-Tabak-Horror.

Nun ist es ja allzu verständlich, dass die Leute glauben, was ihnen von den Medien Tag für Tag aufgetischt wird. Es kann schließlich nicht jeder sämtliche Meldungen darauf abklopfen, ob nicht etwa ein gigantischer Schwindel dahintersteckt. Wir wissen auch nicht, inwieweit die Gesundheitsapostel selber glauben, was sie predigen. Wir sollten allerdings erwarten dürfen, dass sie sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt haben, bevor sie andere damit beglücken. Somit müssten sie auch dahintergekommen sein, wie wenig an der Passivrauch-Mär in Wirklichkeit dran ist, wie sehr da vielmehr systematisch auf Massenhysterie gesetzt wird. So drängt sich die Vermutung auf, dass die Rauchfrei-Missionare selber deutlich weniger vom Glauben beseelt sind, als sie auf den Glauben derer bauen, die sie zu bekehren trachten. Was der Scharlatanerie bedenklich nahe kommt.

Was wächst da zusammen?
Auf einem Gründungsfoto des "Überparteilichen Bündnisses für den Nichtraucherschutz"* sehen wir diverse Damen und Herren zusammensitzen.

Der Organisator des Volksbegehrens von der ÖDP ist mit seinen 28 Lenzen ein Hans Dampf in allen Gassen: Theologe, Pädagoge, Fremdenführer, Prediger, Notfallseelsorger, Videojournalist, Stadtrat und NLP-Therapeut.* "NLP" steht für "Neuro-Linguistische Programmierung" und hat nichts mit EDV zu tun, sondern mit Manipulation der menschlichen Wahrnehmung und Kommunikation. "In Deutschland bringt man NLP mit Scientology in Verbindung", so 3sat-online.*
Theresa Schopper (Grüne), eine der beiden Damen auf dem Bild, hatte 2004 noch jeder Gesprächsbereitschaft mit der rechtsextremen DVU (Deutsche Volksunion) eine unmissverständliche Absage erteilt*, und nun sitzt sie da einmütig mit einem Mann am Bündnisgründungstisch, der 1998 auf Platz 2 der bayerischen Landesliste der DVU für den Bundestag stand*: Herrn Reinhard Weniger. Wenn es um die Ausgrenzung einer missliebigen Bevölkerungsgruppe geht, hier der Raucher, überwiegen wohl die Gemeinsamkeiten und die Grünen verlieren alle Berührungsängste mit Rechtsaußen.
Damit das nicht so auffällt, wird Herr Weniger allerdings als "Ex-CSU-Stadtrat" präsentiert.

Geld raucht nicht
Wer so viele Unterschriften zusammenbringen will, muss zunächst einmal gründlich Geld ausgeben. Die Medien huldigen dem Ansinnen zwar in bereits gewohnter Weise, aber da sind dann auch noch Plakate und Flugblätter zu drucken und zu verteilen. Woher kommt dieses Geld?

Die 150.000 Euro, die die Initiatoren nach eigenen Angaben bereits Anfang Oktober beisammen hatten, setzen sich gemäß einem internen Papier der ÖDP zusammen aus je 10.000 von den Grünen, der SPD, dem "Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit" (ÄARG) und dem Verein "Pro Rauchfrei". Dass Letzterer über derlei Mittel verfügt, ist bei angeblich nur 6000 Euro Jahresbudget* einigermaßen erstaunlich. 25.000 Euro gar sollen von der "Nichtraucherinitiative München" kommen - für eine regionale Vereinigung ebenfalls auffällig. 30.000 habe eine "private Umwelt- und Nichtraucherstiftung" zur Verfügung gestellt (?).
Fehlen noch 55.000 Euro. Das seien "Privatspenden von Einzelpersonen". Respekt!

Dass die Pharmaindustrie in ihrem stetigen selbstlosen Kampf für unser aller Gesundheit (bei dem sie unvermeidlicherweise auch ein bisschen Profit macht) für solche Initiativen auch ganz gern mal eine Stange Geld locker macht, ist bekannt. Nur hier ist das jetzt grade mal ganz unmöglich, denn die ÖDP lehnt satzungsgemäß Firmenspenden ab. Ein Schelm, wer da auf andere Wege und Gedanken kommt.

Beste Kontakte zur Pharmaindustrie werden jedenfalls Prof. Dr. Wiebel nachgesagt, ebenfalls Gründungsmitglied des Bündnisses und Vorsitzender des besagten ÄARG, der jährlich einen von der Firma Pfizer gestifteten "Forschungspreis Rauchfrei Leben"(sic) auslobt.* Die Bewerbungsfrist für die aktuelle Preisvergabe endete allerdings schon 2006. Dafür ist das Nichtraucher-T-shirt ("Sportler leben rauchfrei", 100% Polyester) noch zu haben.

Aber mögen die Spenden gewisser Gruppierungen aus handfestem wirtschaftlichen Interesse noch so fließen, mögen sich Einzelne mit kleineren oder größeren Beträgen das Gefühl verschaffen, etwas gegen den verhassten rauchenden Nachbarn oder Kollegen getan zu haben, mögen die Medien ihr kalkuliertes Wohlwollen über das Vorhaben ausschütten - die Menschen im Lande sind sicherlich noch wach genug, den Trick zu durchschauen: Wer das ureigenste Motto der sprichwörtlichen bayrischen Toleranz, "Leben und leben lassen", pervertiert und zum Aufruf zu Verboten und Diskriminierung nutzt, der muss scheitern.


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